Umwelt
Jede Gemeinde, so auch die Gemeinde Kirchlindach, hat vielfältige Aufgaben im Bereich Umwelt, Energie und Klima zu erfüllen – von A wie Abfallentsorgung bis Z wie Zonenplan. Sie ist als Planungs- und Bewilligungsbehörde zuständig für den Vollzug des Umwelt-, Energie- und Klimarechts. Sie hat Aufgaben im Bereich Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Hochwasserschutz.
Mit dem umweltverträglichen und energieeffizienten Bau, Betrieb und Unterhalt gemeindeeigener Bauten und Anlagen, der naturnahen und klimaangepassten Pflege kommunaler Grünflächen oder der nachhaltigen Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen übernimmt sie gegenüber Bevölkerung und Wirtschaft eine Vorbildfunktion. Zudem ist sie oft die erste Anlaufstelle für Fragen und Anliegen aus der Bevölkerung zum genannten Themenbereich und nimmt so auch Informations- und Beratungsaufgaben wahr.
Der obige unvollständige Überblick über die Verpflichtungen und Aktivitäten der Gemeinde Kirchlindach im Bereich Umwelt, Energie und Klima zeigt zwei Dinge:
- Die Gemeinde engagiert sich finanziell wesentlich im Bereich Umwelt, Energie und Klima, sei es aufgrund einer gesetzlichen Verpflichtung, oder eines selbst gewählten Engagements. Diese Aktivitäten sind strategisch und auch operativ bisher kaum koordiniert und wenig aufeinander abgestimmt. Diese Lücke gilt es zu schliessen.
- Getreu dem Motto "global denken - lokal handeln" möchte die Gemeinde Kirchlindach ihre strategischen Ziele in der Umwelt- und Energiepolitik erarbeiten und in einer kommunalen Umwelt- und Energiestrategie festhalten, um ihr Handeln künftig danach auszurichten. Die Strategie ist zur Zeit in Erarbeitung.
Biodiversität oder biologische Vielfalt ist die Vielfalt / Variabilität / Verschiedenheit des Lebens in einem bestimmten, geographisch begrenzten Gebiet (bis hin zum gesamten Planeten Erde). Sie umfasst die drei Ebenen der Artenvielfalt (Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen, Bakterien), der genetischen Vielfalt innerhalb einer Art (z.B. verschiedene Sorten und Rassen u.a.) und der Vielfalt der Ökosysteme bzw. Lebensräume, in denen Arten leben (wie der Wald oder Gewässer u.a.). Biodiversität ist das Ergebnis einer Millionen Jahre währenden Evolution.
Das Zusammenspiel von Arten, Sorten oder Rassen in den Lebensräumen nennt man funktionale Biodiversität: Bienen bestäuben Blüten und sorgen damit für die Fruchtbildung und Ernte. Nützlinge vertilgen Schädlinge und verhindern so Schäden. Hecken verbessern durch ihre Durchwurzelung das Wasserrückhaltevermögen des Bodens, vernetzen Lebensräume, bieten Wildtieren Schutz vor Gefahren und ein reiches Nahrungsangebot. Und so weiter.
Für uns Menschen sind die Leistungen der biologischen Vielfalt etwas völlig Selbstverständliches. Wenn wir genau hinsehen, wird schnell klar, dass die Biodiversität ein gigantischer Dienstleister ist. Arten liefern Nahrungsmittel und medizinische Wirkstoffe, Rohstoffe und Energie. Allein die Bestäubung durch Insekten ist für unsere Nahrung zentral: Weltweit 75% der wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturen und 35% des Ertrags sind davon abhängig oder profitieren von ihnen. Auch in der Schweiz ist die Bestäubungsleistung «unbezahlbar» – sie wird auf CHF 205 bis 479 Millionen pro Jahr geschätzt. Geschätzte 60’000 verschiedene Pflanzenarten werden weltweit in der traditionellen und modernen Medizin genutzt. Arten sind ausserdem Vorbilder für technische Innovationen. Ökosysteme sorgen für saubere Luft, sauberes Wasser und fruchtbare Böden, sie speichern CO2, sie schützen vor Lawinen, Hochwasser und Erosion und regulieren das Klima. Sie tragen zu vielfältigen Landschaften bei und bieten uns Erholung und Freizeitmöglichkeiten. Die Industrie ist direkt von vielen Rohstoffen abhängig, wie Holz, Ölen, Mineralien oder Farbstoffen.
Eine hohe Biodiversität ist eine Lebensversicherung für uns und künftige Generationen. Denn Vielfalt ist das wichtigste Überlebensprinzip in der Natur, es erzeugt Stabilität. Nur bei einer hohen Artenvielfalt und einer grossen genetischen Bandbreite innerhalb einer Art ist die Natur in der Lage, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen: An veränderte Klimabedingungen, neue Krankheiten oder Schädlinge. Das Aussterben einer Art hingegen ist unumkehrbar und schafft unkalkulierbare Risiken: Tiere und Pflanzen haben neben ihrem Eigenwert eine Funktion im Ökosystem. Wenn in einem Ökosystem zu viele Arten ausgestorben sind, kann dieses seine Funktionen und damit seine Dienstleistungen nicht mehr erfüllen.
Schätzungen gehen davon aus, dass die Aussterberate von Arten durch menschliche Einflüsse um den Faktor 1’000 bis 10’000 höher ist als die natürliche Rate. Mehrere tausend Tier- und Pflanzenarten verschwinden weltweit jährlich. Derzeit sind weltweit etwa 26’000 Arten vom Aussterben bedroht, viele sind bereits für immer verloren. Auch zahlreiche Ökosysteme sind weltweit in Gefahr. Schon 1990 waren vermutlich 42% des tropischen Regenwaldes vernichtet, schätzte damals die Welternährungsorganisation (FAO). 13 Millionen Hektaren Wald werden jährlich zerstört. Die intensive Landwirtschaft führt dazu, dass viele Nutzpflanzensorten verloren gehen, schon jetzt sind es mindestens 75%.
Auch in der Schweiz hat in den letzten hundert Jahren die Diversität der Gefässpflanzen im Grasland der Tal- und Hügelzone um über 50% abgenommen (Agroscope, 2025). Über ein Drittel der untersuchten Arten in der Schweiz sind gefährdet. Wertvolle Lebensräume haben stark abgenommen und nehmen weiter ab. Wichtige Gründe dafür sind die Intensität der Landnutzung, die Fragmentierung der Lebensräume und der Klimawandel (Bundesamt für Umwelt; BAFU, 2023).
Die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) betont in ihrem jüngsten Bericht den aussergewöhnlichen Reichtum der Schweizer Ökosysteme, von alpinen Wiesen bis hin zu Wäldern und Seen. Dennoch ist diese Biodiversität durch Urbanisierung, intensive Landwirtschaft, Umweltverschmutzung und Klimawandel bedroht, die Lebensräume fragmentieren und die Artenvielfalt verringern. Der Bericht zeigt auch Hoffnungsschimmer auf: Die Zunahme von Totholz im Wald, die ökologische Aufwertung bestimmter landwirtschaftlicher Flächen und die Rückkehr von Arten wie dem Bartgeier. Diese Beispiele zeigen, dass gezielte Massnahmen – wie der Schutz von Biotopen oder eine nachhaltige Bewirtschaftung der Lebensräume – den Trend umkehren können. Die Biodiversität bleibt eine wesentliche Grundlage für Trinkwasser, fruchtbare Böden und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Naturgefahren.
Gezielte Massnahmen zur Förderung der Biodiversität in den Gemeinden – etwa differenziertes Grünflächenmanagement, die Reduzierung von Pestiziden oder die Schaffung ökologischer Korridore – kann einen grossen Unterschied machen. Der Bericht des SCNAT macht deutlich, wie zentral der Schutz der Biodiversität für unsere Lebensgrundlagen ist – und wie wichtig konkrete, lokale Massnahmen sind.
Weitere Informationen finden Sie hier:
Verfassung des Kantons Bern (Art. 31 Abs. 4)
Strategie Biodiversität Schweiz und Aktionsplan
Veränderung der Biodiversität in der Schweizer Agrarlandschaft
Neophyten («neue Pflanzen») sind gebietsfremde, also nicht-einheimische Pflanzenarten, die nach dem Jahr 1500 aus ihrer ursprünglichen Heimat durch menschliche Aktivitäten absichtlich eingeführt, oder unabsichtlich eingeschleppt wurden. Einige von ihnen haben wir schätzen gelernt, z.B. die Kartoffeln, die Tomaten und den Mais. Andere verbreiten sich invasiv – das heisst unkontrolliert, schnell, grossflächig und flächendeckend, auf Kosten einheimischer Arten, weil ihre natürlichen Fressfeinde und Konkurrenten bei uns nicht vorkommen, oder, weil sie von Klima- und Landnutzungsänderungen profitieren.
Was verursachen invasive Neopyhten
Neophyten im Siedlungsraum
Rechtsgrundlagen und Zuständigkeiten
Problemstellung
Neophyten in der Gemeinde
Handlungsmöglichkeit der Gemeinde
Weitere Informationen
Gemeinden leisten einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft. Wo steht Kirchlindach aus Sicht der nachhaltigen Entwicklung, wo liegen unsere Stärken und in welchen Bereichen sollten wir uns verbessern?
Zur Beantwortung dieser Frage hat der Gemeinderat im Jahr 2024 zusammen mit dem Kader der Gemeindeverwaltung den "NE-Gemeindeprofilografen" von Kirchlindach erarbeitet. Die Ergebnisse dienen als Wegweiser für die Gemeindeentwicklung. So wurden neue Erkenntnisse in das gleichzeitig laufende Raumentwicklungskonzept (REK) der Gemeinde integriert. Daneben diente die Lagebeurteilung mittels NE-Gemeindeprofilograf auch als Grundlage zur Evaluation des Zwischenstands und der NeuPriorisierung der Legislaturziele des Gemeinderats zur Halbzeit der Legislatur 2023 bis 2026.
Erklärung NE-Gemeindeprofilograf
Resultat NE-Gemeindeprofilograf
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